Eigentlich wollte ich Ende Februar einen Eintrag darüber schreiben, dass meine Eltern mich besucht haben, bald eine Freundin kommt und das Leben im Allgemeinen ziemlich schön ist und ich ziemlich dankbar bin.
Leider ging ab diesem Zeitpunkt alles sehr schnell und die letzten 6 Wochen waren für mich emotional sehr belastend. Natürlich ist schon offensichtlich, was der Auslöser all meiner Problem war: das Corona Virus, vor dessen Auswirkungen momentan leider niemand sicher ist. Alles fing damit an, dass mein Arbeitsumfeld wegen deutschem Besuch paranoid wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde in Israel eine Einreisesperre etabliert, was zur Stornierung von vielen Flügen und damit zur vorzeitigen Abreise meines Besuches führte. Ich und alle die mit diesem Besuch in Kontakt waren ( 2 Wohngruppen von Freiwilligen) wurden in eine zweiwöchigen Zwangsurlaub geschickt, da meine Einsatzstelle kein Risiko eingehen wollte.
Währenddessen wurde in Israel das öffentliche Leben komplett „umsortiert“, sodass am Ende nur noch Supermärkte geöffnet hatten und selbst die Händler in der Altstadt ihre Läden schließen mussten. Momentan ist die Situation in Israel soweit verschärft, dass die Einwohner ihr Haus nur in einem 100 Meter Radius verlassen dürfen und es verboten ist, sich gemeinsam draußen aufzuhalten oder Sport zu machen.
Das erlebe ich aber nicht mehr mit, denn ich habe am 20. März Israel verlassen und bin seitdem wieder in meinem Elternhaus. Meine Ausreise ging viel zu schnell und mein Abschied war sehr schwer, denn alles was ich nun schildern werde spielte sich innerhalb von vier Tagen ab.
Es begann damit, dass ich am Mittwochmorgen einen Anruf bekam, der mich dazu aufforderte mich innerhalb von 20 Minuten zu entscheiden ob ich das Land verlassen möchte oder ob der Staat Israel weiter auf mich als Freiwillige zählen kann. Dazu kam noch eine Ausreiseempfehlung des Auswärtigem Amtes. Schon zu diesem Zeitpunkt habe ich mich nach vielen Absprachen dazu entschlossen nach Hause zu fliegen und einen Flug mit meinen Freunden für den Montag der kommenden Woche gebucht. Es war dann unser Plan, noch ein letztes gemeinsames Wochenende in Jerusalem inklusive eines Shabbatessens zu verbringen. Das stellte sich dann auch als richtige Entscheidung heraus, denn aus der Ausreiseempfehlung des Auswärtigem Amtes wurde bis zum Abend sozusagen eine Ausreisepflicht. Von meinen Resident konnte ich mich in dieser kurzen Zeit leider nicht persönlich verabschieden, da ich aus (für mich) unerfindlichen Gründen die Einsatzstelle nicht betreten durfte. Leider fiel auch unser gemeinsamer Abschluss ins Wasser, da stündlich Flüge gecancellt wurden und wir mehrmals umbuchen mussten, sodass wir am Ende nur noch einen Tag zum packen hatten und am Freitag im letzten Direktflug nach Deutschland saßen.
Der Abschied aus Israel ist mir sehr schwer gefallen. Zum einen weil ich nicht die Möglichkeit hatte, mich gebührend von allem zu verabschieden und weil ich nicht gehen wollte. Die Zeit momentan ist auch ehrlicherweise nicht sehr leicht für mich, da ich nur Stück für Stück realisiere, dass ich nicht mehr in Israel bin und ich wahrscheinlich auch noch mehr Zeit brauchen werde um alles zu verarbeiten.
Ich bin zwar noch nicht ganz wieder in Deutschland angekommen aber trotzdem bin ich auch sehr froh hier zu sein, denn in einer solchen Krisensituation ist es hilfreich alle Anordnungen nachvollziehen zu können und in behütetem Umfeld bei der Familie zu sein. Es ist auch nicht klar, ab wann eine Ausreise aus Israel wieder möglich ist und ab wann alles wieder normal vonstatten geht. Ich wünsche mir natürlich trotzdem, so schnell wie möglich nach Israel zurückkehren zu können. Egal, ob die Zeit für einen Freiwilligendienst oder nur für Urlaub reicht. Den ich habe vieles noch nicht gesehen und erlebt!
Natürlich werden hier noch Einträge folgen, denn es gibt noch sehr viel, was ich zu erzählen habe.
Aber jetzt konzentriere ich mich darauf, erst einmal den Menschen hier so gut es geht zu helfen, meine Hände zu waschen und gesund zu bleiben, so wie es hier jeder momentan tun sollte.























