Shana towa! – Gutes neues Jahr!

Vom Abend des 29. Septembers bis zum Sonnenuntergang am 1. Oktober 2019 fahren in Jerusalem und ganz Israel keine Busse, jüdische Geschäfte haben geschlossen und auch der Verkehr ist so gering, dass man ohne Angst auf sonst sehr dicht befahrenen Straßen spazieren gehen kann. Grund dafür ist das jüdische Neujahresfest: Rosch Haschana.

Der jüdische Kalender ist nicht deckungsgleich mit dem gregorianischen, weshalb der Jahreswechsel nicht parallel stattfindet. Zum Neujahr im Judentum geht man davon aus, dass Gott jeden Menschen an sich vorüberziehen lässt und über ihn urteilt. Fällt dieses Urteil aber schlecht aus, so hat die Person zehn Tage Zeit, Buße zu tun und sich „reinzuwaschen“. Nach dieser Zeit soll dann erneut über sie entschieden werden. Dieser Tag stellt den höchsten Feiertag des Judentums dar: Jom Kippur.

Um die eigene Reinheit und Sittlichkeit zu verdeutlichen, trägt man in der Synagoge zum jüdischen Neujahr traditionell weiß und auch der Schrank der die Tora beinhaltet ist mit dieser Farbe geschmückt.

Eine große Bedeutung trägt das „Schowar“, ein gewundenes Widderhorn, dass regelmäßig geblasen wird und deren Klang für Außenstehende wie mich ziemlich verwirrend ist. Besonders, wenn man dadurch geweckt wird und das Geräusch erst einmal nicht einordnen kann, da das Blasen bei weitem keinen klaren oder lauten Klang erzeugt. Der Laut soll jedoch als Weckruf dienen und an Gott erinnern.

Den Mittelpunkt des Festes stellt aber das Familiendinner dar, denn Rosch Hanschana ist letztendlich ein großes Familienfest, bei dem eigentlich 3 Tag durchgängig geschlemmt wird. Traditionell isst man dabei einen Fischkopf, da dieser den Anfang des Jahres symbolisiert und zudem der „wegweisende Teil“ des Tieres ist. Zudem dippt man Apfel in Honig, trinkt süßen Wein und verspeist köstlichen Honigkuchen, um sich das kommende Jahr zu versüßen. Bei dem Familienessen werden dann Glückwünsche für die kommende Zeit ausgesprochen und Schokolade oder andere Kleinigkeiten verschenkt. Ein typisches Geschenk sind dabei Granatäpfel, denen mehrere Bedeutungen zugeordnet werden: zum einen ist er ein Symbol für Fruchtbarkeit. Seine Kerne sollen aber auch die 613 Gebote der Tora symbolisieren. Man kann einen Granatapfel aber auch mit dem Wusch überreichen, dass der Beschenkte im folgenden Jahr so viel Gutes tun soll, wie Kerne in ihm sind.

Ich Selbst war Teil eines vorgezogenen Neujahresfestes in meiner Arbeitsstelle. Dabei wurde viel gesungen, gesegnet, gegessen und gelacht. Die Mutter einer Bewohnerin hat mir sogar Schokolade geschenkt, was mir erneut gezeigt hat, dass es an Rosch Haschana wichtig ist, an andere Menschen zu denken und sich im neuen Jahr auf gute Taten zu besinnen.

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