Vom Abend des 13. Oktobers bis zum Sonnenuntergang des 20. Oktobers wurde in Jerusalem das Laubhüttenfest (Sukkot) gefeiert. Dabei wird an den Auszug der Juden aus Ägypten und ihre damit verbundene Reise ins heilige Land gedacht. Mit diesem Fest sind viele Vorbereitungen im Vorfeld verbunden, denn um der beschwerlichen Reise aus Ägypten umfassend zu gedenken, werden vor vielen Häusern, aber auch auf Balkonen, Dachterrassen und unter Carports Laubhütten (sogenannte Sukkas) aufgebaut. Die gibt es entweder im Supermarkt zum Aufbauen innerhalb von 5 Minuten oder man wird mit allen möglichen Materialien wie Decken, Wellblech, Blättern, Gemälden oder auch einfach Papier selber kreativ. Die Straßen in Jerusalem waren in dieser Woche voll von diesen Hütten, was aber auch darauf zurückzuführen ist, dass auch Restaurants und Cafes ihren Außenbereich überdachen müssen, da sie sonst in dieser Woche voller Feiertage nicht öffnen dürfen. Wichtig ist nur, dass der Bau Palmenblätter enthalten soll, um an die Bauweise der Vorfahren zu erinnern, die natürlich nicht die heutigen Materialien zur Verfügung hatten. Aber auch Gemütlichkeit und teilweise liebevolle Dekorationen spielen eine große Rolle beim Bau einer solchen Hütte. Denn in der Sukkot Woche spielt sich jegliches Leben in dieser Unterkunft ab, weshalb man nicht selten einen Kühlschrank oder einen Fernseher in der Hütte erkennen kann. Die Woche wird natürlich auch mit obligatorischen Festessen begonnen, aber auch schlichte und gemütliche Abende im Kreise von Freunden und Familie steht im Mittelpunkt. Die Laubhütte soll die Menschen daran erinnern, dass alles im Leben vergänglich ist und man sich auf die wesentlichen dinge wie zum Beispiel die Familie konzentrieren soll. Manche Juden verlassen die Sukka in diesen Tagen auch nicht, um auch die volle Zeit des Auszuges aus Ägypten besser nachvollziehen zu können. Trotz allem stellt der regelmäßige Gang zur Synagoge einen wichtigen Bestandteil dar, wo zum Beispiel mit symbolischen Gebetsstäußen aus Palmenblättern, Myrtenzweigen, Bachweidenruten und einer bestimmten Zitrusfrucht gebetet wird.
Auch für Christen aus aller Welt hat diese Festwoche eine große Bedeutung, da in der Bibel geschrieben steht, dass alle Christen in der Woche des Laubhüttenfestes nach in Jerusalem willkommen sind, was dazu führte, dass es mehrere internationale Versammlungen von Christen gab oder einen interkulturellen Umzug durch die Alt- und Innenstadt im Namen ihrer Religion. Was ich in sofern mitbekommen habe, dass am Nachmittag keine Busse fuhren und ich zu Fuß gehen durfte.
Sukkot endet mit dem Fest“Simchat tora“. Dabei werden feierlich Thoras eingeweiht und gesegnet. Diese Tradition ist mit viel Tanz und Frohsinn verbunden und wird in großen und kleinen Kreisen gefeiert. Ich hatte das Glück, durch meine Arbeitsstelle mit meinen Residents Teil einer solchen Einweihung in einer Reformgemeinde zu sein. Dadurch habe ich einen tollen Eindruck dieser Festlichkeiten bekommen. Die Gemeinde, deren Gottesdienst ich begleiten durfte weihte ganze 5 Thorarollen ein, was zu einem Gottesdienst von über 2, 5 Stunden Dauer führte. Zu jeder Rolle wurde ein Segen gesprochen, an den sich ein Tanz aller Gemeindemitglieder anschloss. Dabei bewegten sich alle miteinander und versprühten eine große Lebensfreude und das Gefühl einer Einheit. Was auch daran lag, dass sogar „meine“ behinderten Residents, die zum Teil auch nicht gut gehen können einfach mitgezogen wurden, auch einmal eine Thorarolle halten durften und ganz normal und selbstverständlich trotz ihrer offensichtlichen Beeinträchtigung ein gleichwertiger Teil des Gottesdienstes sein konnten. Diese Erfahrung hat mit gezeigt, wie einfach und unkompliziert Inklusion eigentlich sein kann.
Den Abend verbrachten ich und meine Mitfreiwilligen an der Klagemauer, was leider für mich ein etwas ernüchterndes Erlebnis war. Denn auch an der Klagemauer wurde getanzt, laute Gebete gesprochen und Emotionen versprüht. Der einzige Haken war dabei aber für mich persönlich, dass sich die meisten Zeremonien auf der Männerseite abspielten. Auf der Frauenseite der Klagemauer habe ich keine einzige Thorarolle gesehen. Trotzdem wurde dem Zuschauer durch die Leidenschaft der Männer auf ihrer Seite bewusst, was für einen emotionalen Wert dieses Fest für das Judentum hat. Trotzdem habe ich mich einen bisschen nach der intimen und gleichgestellten Atmosphäre der Reformgemeinde gesehnt, wo Frauen, Kinder und Behinderte ein gleichberechtigter Teil dieser Zeremonie waren.
Nach diesem Fest endete auch leider die Sukkotwoche und das Familienleben verlagerte sich von der Straße, aus den Sukkas wieder in die häusliche Gemütlichkeit. Jetzt nähert sich hier auch der Winter, es wird zeitiger dunkel und due Temperaturen sinken auf „eisige“ 20 Grad Celsius. Was dazu führte, dass die Einheimischen über Nacht die Wintersachen aus dem Schrank gekramt haben, währennd wir als Deutsche Freiwillige immer noch den sommerlichen Look pflegen. Ich bin immer wieder sehr dankbar, solche Festtage und Veräderungen des Wetters Jerusalem mitzuerleben, ein Teil davon zu sein und somit meinen ganz eigenen Eindruck von der jüdischen Kultur und des Lebens in Israel als Wüstenstaat zu bekommen.