Nach einem unspektakulärem November, in dem die Temperaturen gesunken sind, mein Alltag immer alltäglicher geworden ist und die Nächte immer länger wurden, folgte (wie immer) der Dezember. Nun paaren sich die sinkendem Temperaturen mit Regen und Wind, was leider dazu führt, dass man die Abende nicht mehr draußen verbringen kann und es auch unangenehm wird, wenn man sich länger draußen aufhält. Das führte bei meiner Arbeitsstelle dazu, dass sich alle Residents über Nacht darauf geeinigt haben, dass zwei Pullover über einem Unterhemd den Temperaturen angemessen sind. Die warme Kleidung verhinderte die alljährliche Krankheitswelle leider trotzdem nicht, was dazu führte, dass auch ich eine Woche lang ans Bett gefesselt war.
Aber je mehr die Temperaturen sanken, desto mehr stieg unsere Weihnachtsstimmung an. Obwohl wir sehr überrascht waren, als es auf einmal Dezember war und absolut niemand dem Weihnachtswahn verfallen war. Sind in Deutschland schon Ende Oktober alle Fenster geschmückt, Adventsmärkte geöffnet (die dann sofort von Weihnachtsmärkten abgelöst werden) und Rabattschilder aufgestellt, gibt es in Israel nichts dergleichen. Warum auch? Israel ist ein jüdischer Staat und Weihnachten ist Juden genauso egal wie Silvester. Genauso egal, wie den Deutschen Rosch haschana und das Lichterfest „Chanukka“ ist. Dieses achttägige Fest ist dieses Jahr übrigens in der Woche von Heiligabend, weshalb Jerusalem dann doch etwas in Feierlaune ist, denn überall werden Leuchter für Chanukka sowie süßes und frittiertes Gebäck, ähnlich wie Krapfen, Berliner oder Donuts in allen Varianten verkauft oder auch einfach verschenkt, wovon ich auch schon profitieren durfte… Ich bin sehr gespannt dieses jüdische Fest mitzuerleben und neue Traditionen kennenzulernen.
Trotz dem großen jüdischen Einfluss gibt es eine christliche Minderheit in Jerusalem, für die Weihnachten eine zentrale Bedeutung hat. Deswegen wurden in Jerusalem an einem Wochenende gleich 2 Weihnachtsmärkte ausgerichtet. Einer auf dem Gelände der YMCA (einer Hotelanlage) und ein weiterer in der Nähe der Altstadt. Wir sind mit keinen Erwartungen hingegangen und wurden in beiden Fällen überrascht. Denn schlendert man in Deutschland von Bude zu Bude, schlürft hier einen Glühwein, isst dort einen Crepe und kauft vielleicht ein Weihnachtsgeschenk, so hat man sich auf dem Weihnachtsmarkt auf der YMCA zwischen dem rechten Zelt (Essen) und dem linken Zelt (teures Kunsthandwerk) entschieden. Das Gelände war aber trotzdem sehr schön geschmückt und die arabische Weihnachtsmusik hat auch zu einer festlichen Grundstimmung beigetragen. Außerdem hatten wir die Chance den (echten) Weihnachtsmann zu treffen und Klaviermusik zu lauschen. In einem großen Kontrast dazu stand der Weihnachtsbasar in der Nähe der Altstadt. Dort habe ich unter anderem drei neue viele Sachen gelernt:
1. Indoor Weihnachtsmärkte haben auch ein Existenzrecht.
2. In Israel schmeckt Glühwein sehr gut.
3. Dudelsäcke die mit Trommeln begleitet werden sind legitime live Auftritte zur Weihnachtszeit.
Nach 2 Tagen waren diese Weihnachtsmärkte dann leider auch Geschichte und nur im christlichen Viertel der Altstadt bekommt man durch weihnachtliche Dekoration leichte Weihnachtsgefühle. Ich werde dieses Jahr Weihnachten in Jerusalem mit Freunden verbringen und natürlich nach Bethlehem „pilgern“. Es wird für mich eine ganz neue Erfahrung, diese Zeit nicht mit meiner Familie zu verbringen, was nichts an meiner Vorfreude ändert (Entschuldigung…Mama).