Nun lebe ich schon 10 Tage in Jerusalem und habe dadurch schon so einiges erlebt. Ich habe die Altstadt, die Klagemauer und einige andere touristische Hotspots besucht. Trotzdem habe ich noch längst nicht alle Sehenswürdigkeiten dieser Stadt gesehen aber dafür habe ich ja auch ein ganzes Jahr Zeit…
Ich habe in dieser Zeit auch mit meiner Arbeit angefangen. Wie in einem früheren Post bereits erwähnt, arbeite ich in einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung. Die Bewohner meiner Einsatzstelle sind alle jedoch recht funktionell, weshalb sie vormittags einer Arbeit nachgehen und erst nachmittags Betreuung benötigen, was dazu führt, dass ich immer erst 16:00 Uhr mit meiner Arbeit beginne. Meine Einsatzstelle bezeichnet sich als „Hostel“ , was etwas irreführend ist aber lediglich für einen Zusammenschluss von mehreren Wohneinheiten steht. In meinem Hostel leben ca. 30 Bewohner, die auf mehrere Wohnungen verteilt sind. Als Freiwilliger wird man einer Wohngruppe bzw. einem Appartement zugeteilt, für deren Bewohner man zuständig ist. Dazu zählt zum einen das Duschen einiger Bewohner, aber auch Wäsche waschen und aufräumen. Da meine Einrichtung ein eben solcher Zusammenschluss von Wohnungen ist, habe ich auch viel Kontakt zu den anderen Bewohnern auch außerhalb meines Appartements, die viel gemeinschaftlich unternehmen, wie zum Beispiel einen Ausflug an einen Strand in Tel Aviv, wo auch ich ein Teil sein durfte. Bisher macht mir meine Arbeit sehr viel Spaß und ich freue mich darauf, Hebräisch zu lernen und somit selbstständiger meinen Arbeitsalltag gestalten zu können
Ein Arbeiter unserer Einrichtung hat mit uns einen Kontakt zu einem mit ihm befreundeten Journalisten in Bethlehem verschafft. (Mit „uns“ meine ich übrigens meine Mitfreiwilligen, die im Laufe der letzten Woche angekommen sind.)
Unser Ausflug nach Betlehem war bisher eines der beeindruckenden Erlebnisse für mich. Denn wir mussten einen Checkpoint durchqueren, um auf die andere Seite der Mauer zu kommen, die Palästina von Israel trennt und auf der palästinensischen Seite voll mit Streetart unter anderem auch von dem Künstler Basnksy, an dessen Hotel wir auch vorbeigelaufen sind. Zudem war der Besuch in der Geburtskirche, selbst für mich als nicht gläubige Person ziemlich beeindruckend, da sich verschiedene Religionen die Kirche teilen und diese damit auch unterschiedlich gestaltet ist. Da die Touristensaison fast vorbei ist, war die Kirche auch vergleichsweise leer. Es waren vor allem kleinen Dinge, die mich besonders faszinierten wie zum Beispiel multilinguale Beichtstühle oder verschiedene Religionsangehörige, welche die Kirche nutzen, was wohl auch regelmäßig zu Schlägereien (auch an Weihnachten) führt, wie uns erklärt wurde. Auch die Gestaltung der Kirche hängt von den unterschiedlichen Konfessionen ab. So ziert den orthodoxen teil ein Mosaik wohingegen der armenische Teil aus einem prunkvollen Altar besteht.
Nach dieser Besichtigung besuchten wir das Lieblingscafe unseres Guides, wo wir dann eine sehr beeindruckendes Gespräch über die politische Situation Bethlehems bekamen. Es war eine unglaubliche interessante und vielseitige Unterhaltung, da er sowohl Friedensaktivist als auch palästinensischer Korrespondent für diverse europäische Sender arbeitet. Sein Hauptberuf sei jedoch nach eigener Aussage das Babysitten fremder Journalisten, die über Betlehem berichten wollen. Wir haben in diesem Gespräch sehr viel über den Konflikt, Grenzen, Differenzen und Stolz erfahren. Aber auch über kontroverse und überspitzte Berichterstattung aus dem Ausland. Ich werde in diesem Post nicht näher auf den Konflikt und die allgemein Situation eingehen, da ich nur einen sehr kleinen Einblick bekommen habe und deswegen nicht voreilig darüber berichten möchte. Zudem miss ich auch erst meine eigenen Gedanken sortieren , was ich wahrscheinlich auch seine Zeit braucht. Denn eines hab ich bereits festgestellt, der Konflikt ist unglaublich vielseitig und für Außenstehende nicht wirklich nachvollziehbar, da er tief in der Gesellschaft verankert ist. Ich bin sehr dankbar für das Gespräch mit dem Journalisten und die damit verbundenen Eindrücke, die er uns auch im anschließendem Stadtrundgang gewährt hat.
