Jetzt lebe ich schon seit einem Monat in Jerusalem und bereue meine Entscheidung hier zu leben immer noch nicht.
Zum einen macht mir meine Arbeit sehr viel Spaß, denn ich habe immer mehr Möglichkeiten selbstständig zu arbeiten und etwas mit den Bewohnern zu unternehmen wie zum Beispiel mit ihnen Kleidung zu einzukaufen, Basketball zu spielen oder kleinere Ausflüge zu gestalten.
Zum anderen habe ich jetzt auch schon angefangen, das Land zu erkunden. Meine erste Station war Haifa, wo ich einige Mitfreiwillige besucht habe und somit auch von einem kostenlosen Schlafplatz profitieren konnte, was einer der größten Vorteile von einer Organisation ist, bei der man die anderen Freiwilligen im Einsatzland kennt. Auch die Anreise war total unproblematisch. Zahlt man in Deutschland alleine für ein Regio-Ticket schon 16€, kommt man in Israel schon für umgerechnet 9€ ganz 160 km weit. Was eine große Strecke ist, wenn man bedenkt dass Israel nur so groß wie Hessen ist. Wenn die Fernbusse dann keine Verspätung hätten wären das ideale Reisebedingungen. Aber allgemein ist der Personentransport in Israel ziemlich günstig, so kann man in Jerusalem 90 min Bus für ca. 1.50€ fahren. In Haifa angekommen war ich erst einmal erstaunt erstaunt, wie stark sich diese Stadt von Jerusalem unterscheidet. Nicht nur das schwüle Wetter war anders, sondern auch die moderne Architektur, das Erscheinungsbild der Menschen und die allgemein westlichere Atmosphäre. Dies äußert sich zum Beispiel darin, dass die Menschen kürzere Kleidung tragen und man weniger orthodoxe Juden und Jüdinnen in der Stadt sieht
Mein kulturelles Highlight (bevor ich die restliche Zeit am Strand verbracht habe) waren die Gärten der Bahai, die tatsächlich genauso schön aussehen wie in Reiseführern dargestellt. Mich haben aber nicht nur die zahlreichen Pflanzen, Blumen und Springbrunnen begeistert sondern auch die Religion der Bahai an sich. Ich habe noch nicht sehr viel darüber erfahren aber allein dass die Gärten nicht aus einem symbolischen Grund sondern aus reiner Ästhetik wunderschön angelegt sind oder das man nicht als Bahai geboren wird sondern sich erst mit 15 Lebensjahren bewusst zu der Religion entscheiden kann finde ich ziemlich sympathisch, da in mir das Bild einer toleranten und unkomplizierten Religion entstand. Ich habe mir fest vorgenommen, im Laufe der Zeit mich noch mehr über die Bahai zu informieren und mehr darüber zu lernen.
Allgemein lerne ich hier in Israel sehr viele neue Dinge dazu, nicht nur im Bereich Religion oder Politik sondern auch in Bezug auf Essen, Kleidung und interkulturellem Miteinander. So musste ich mich zum Beispiel erst einmal an meine tägliche Dosis Hülsenfrüchte gewöhnen (und mit deren Auswirkung auf die Bewohner meines Hostels klarkommen), Ich durfte mir aber auf der anderen Seite angewöhnen, täglich frisches Obst zu essen, dass hier wirklich viel besser schmeckt als in Deutschland und auf dem Markt auch billiger zu kaufen ist (eine Mango kostet auf dem Shouk ca. 1,50€). Ich habe auch mit meinen Freunden einen Falafel-Tag ins Leben gerufen, weshalb wir uns nun jeden Dienstag nach unserem Hebräisch Unterricht beim Falafelstand um die Ecke eine Falafel gönnen werden, bis wir sie satt haben (was hoffentlich nicht passiert).
Ich habe angefangen, mein Leben hier zu genießen und fühle mich jeden Tag wohler in meinem neuen Zuhause.